Samstag, 4. September 2010

Ist Lyrik peinlich?

Beim Stöbern finde ich bei Fixpoetry einen bemerkenswerten Aufsatz von Christa Wißkirchen. "Ist Lyrik peinlich?"

"Es gibt die überwältigende Mehrheit von ehrenwerten, gestandenen, wahlberechtigten Mitbürgern, in deren geistigem Kosmos Gedichte schlicht nicht vorkommen. "Lyrik" ist dort höchstens ein Schimpfwort für blumige Umschreibung harter Tatsachen in Politikerreden.
Man besuche aber auch einmal eine nette, aufgeschlossene Familie, keineswegs jene gern gescholtenen DSDS-Banausen, sondern: Hochschulstudium, begründete Urteile, Sinn für Zusammenhänge, Antennen für menschliche Problemfälle, praktische und emotionale Intelligenz - aber Lyrik wäre in ihrem Gesprächs-Ambiente deplaciert." Das kommt mir bekannt vor. Wißkirchen schreibt weiter: "Es gibt aber einen atmosphärischen Widerstand, den die Lyrik offenbar hervorruft. Sie passt stilistisch nicht. Warum nicht? Eine Wohnstätte, speziell ein Familientisch mit seinen Gesprächen ist eine garantiert lyrikfreie Zone, auch wenn an der Wand Bücherregale stehen."
So überkommt mich persönlich regelmäßig das Bedürfnis, "Ordentliches" zu schreiben, etwa Reportagen. Wie dem auch sei: Weshalb das so ist und welche Konsequenzen das hat, ist bei fixpoetry nachzulesen.

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