Donnerstag, 14. Oktober 2010

Dialog statt Offene Briefe

Stellungnahme des Vorstandes des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Württemberg zum offenen Brief von Marcus Hammerschmitt und Hellmut G. Haasis:

Der Vorstand des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Württemberg verwahrt sich gegen Verunglimpfungen und Diffamierungen. Wir möchten nicht, dass uns Unredlichkeit unterstellt wird oder dass wir zu Entscheidungen genötigt werden. Wir haben kein Verständnis für den heftigen Tonfall und die Polemik in den Anwürfen von Kollegen.
Zu unserem demokratischen Selbstverständnis gehört es, dass man miteinander redet. Wir bekriegen uns nicht, wir sprechen miteinander. Wir diffamieren uns nicht, wir hören zu und äußern Argumente. Das ist die Kultur, für die wir als VS-Mitglieder und Vorstände stehen. Bei der Frage für oder gegen einen Bahnhof bzw. ein Bauprojekt handelt es sich nicht um eine moralische Frage, und der Widerstand dagegen ist nicht zu vergleichen mit dem von Dissidenten gegen eine Diktatur.

Der VS-Vorstand ist in seiner persönlichen Zusammensetzung sowohl für als auch gegen das Projekt „Stuttgart 21“. Das ist auch ein Grund, warum bisher weder für das Eine noch das Andere öffentlich Stellung bezogen wurde. Ferner möchte er sich nicht innerhalb des Verbandes zu Bauprojekten äußern, jedoch jederzeit gerne zur Freiheit des Wortes.

Das "Schriftstelleressen" hat Tradition seit Thaddäus Troll und Manfred Rommel. Es ist ein Zeichen der Stadt Stuttgart für den Dialog mit den Literaten. Die Stadt stellt bei dieser Gelegenheit seit Jahrzehnten ihre Literaturförderung vor, die Mitglieder des VS haben die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Es ist jedem Mitglied unbenommen, beim "Schriftstelleressen" im kritischen Dialog die Themen Bürgerfreiheit, direkte Demokratie oder repräsentative Demokratie zu beleuchten. Die Einladung von OB Schuster liegt seit längerer Zeit vor, nicht erst seit den eskalierten Auseinandersetzungen um das Bahnprojekt.

Der VS ist Teil der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Diese hat sich mehrfach dezidiert gegenüber dem Bahnprojekt "Stuttgart 21" positioniert. Unter anderem hier:
Link zu Verdi

Den Mitgliedern des VS ist es ebenfalls unbenommen, zur Mitgliederversammlung am 11. Dezember die Verabschiedung von Resolutionen zu beantragen. Der Vorstand nimmt angesichts der zahlreichen Argumente gegen und für das Bahnprojekt "Stuttgart 21" bis dahin eine neutrale Position ein.“

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