Freitag, 15. Oktober 2010

Gedicht des Tages - Dieter Schlesak

Kürzlich erreichte mich Post aus Italien. Dieter Schlesak schickte mir seinen neuesten Gedichtband, das etwa vor eineinhalb Jahren erschienene Leseheft "Ich liebe, also bin ich" (Link zum fixpoetry-shop). Der 1934 geborene Kollege Schlesak ist nicht nur Lyriker, er hat ein umfangreiches und viel gelobtes Werk publiziert - Romane, Sachbücher, Essays. Da ich im Augenblick keine Gedichtbände rezensieren kann (gelegentlich muss ich ans Geldverdienen denken), habe ich ihn um ein unveröffentlichtes Gedicht gebeten. Dieter Schlesak mailte mir den Zyklus "Erstaunte Augenblicke", aus dem ich das folgende Gedicht ausgewählt habe (merci!):


ERINNERTE HEIMKEHR
(An Eden Bäume)
Psalm nach Arghezi

Sehr einsam bin ich Herr und hier
so schief mein Bild/ und so ein Baum dort/ sieh
der irrt vergessen auf dem Feld/ mit bittern Früchten
Stacheln/ Blatt um Blatt in dieser Wüste
eingerollt und braun/ zum Trotz am Leben
Und möchte wie das Singen jenes Vogels
dass er sich in der Luft ganz unbewegt
in mich hineinbewegt und fliegt
durch meinen Schatten – nichts als Rauch
Und warte noch auf kleine Hände
Zärtlichkeiten/ einwärts wie ein Lid/ der Sperling
fällt vom Dach zur Grille
ebenbildlich DIR gemäß:
die Früchte/ und so
mich selbst zu schmecken.


Zur Website von Dieter Schlesak

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