Dienstag, 16. November 2010

Gedicht des Tages - Rainer Stolz

Es ist November, der wohl letzte, merkwürdig warme Tag bei kühlem Licht liegt hinter uns. Ich surfe und suche nach Gedichten, mit Wandern ist nix mehr, mit Bergsteigen schon lange nicht mehr. Der Zufall wollte es, dass mir Rainer Stolz eine Mail mit einer Information schickte und ich auf seiner Website landete. Ansprechend, "einfache" Gedichte, Texte, die ich schmunzelnd verschlungen habe, fand ich dort. "Mol was anneres", sagt der Badener. Ich bat Rainer Stolz, mir fünf Gedichte zu schicken. Gleich das erste will ich hier veröffentlichen - Fragen gibt es immer. Merci und vielen Dank! Infos, wie immer, unter dem Gedicht.


Haus in We.

Es gibt da noch Fragen: an die Bewahrer
der Grautonskala, die sanft am Abend
an die Fenster schlagen, noch Fragen
an alle Wetter, deren Lagen
beten scheef sind, wie das Haus
um das sie raufen, Fragen auch
an die Regenrinne, die gelegentlich
gelassen überflüssig ist, weshalb ich
mich fragen könnte, womit die Sonne
hier oben wohl ihr Gelb verdient
wo selbst die Schafe blau machen
bevor sie ins Gras beißen, weiter
wärn da Fragen an die Scharen der Geister
mit ihren Klopfzeichen: ob sie freiwillig
sich so hineinsteigern, als sei es
keine Kunst, die unvergleichlich
nutzlos ist, wie die Hohlräume hier
die alle Fragen verlagern, als Nahrung
für die Spinnen vielleicht, die mir sagen:
gut Holz! gibt es hier – und das riecht
wunderbar, wenn ich mir wieder mal
den Kopf gestoßen habe.


Rainer Stolz,
geb. 1966 in Hamburg, lebt als Lyriker, Sprachspieler und Momentesammler in Berlin; „Während mich die Stadt erfindet. Gedichte“ (Elfenbein Verlag, Berlin 2007), Leseheft „Stuckbrüche“ (SuKuLTuR-Verlag, Berlin 2006), Mitherausgabe der Anthologie „Feuer, bitte! Berliner Gedichte über die Liebe“ (dahlemer verlagsanstalt, Berlin 2003); Näheres unter: www.rainerstolz.de

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