Dienstag, 30. November 2010

Gedicht des Tages - Werner Dürrson

Was ich in den letzten Jahren mit Entsetzen beobachtet habe: Wie schnell verstorbene Dichter vergessen werden. Der Hype um Frischfleisch ist gewaltig, die Szene schmort im eigenen Saft, um im Bild zu bleiben. Und wie sehr literaturgeschichtsvergessen die jungen Kollegen sind, wurde mir in Konstanz bewusst. Nur die ganz großen Namen sind ihnen noch präsent oder jene, die in den Schulbüchern stehen. Gelesen werden Zeitgenossen, das liegt wohl auch an der Ausbildung in den Schreibschulen. Doch genug gejammert, es gibt viele Kollegen oder Literaturwissenschaftler, die das literarische Erbe pflegen. Auch die Jungen werden alt, was bleibt sind die Texte. Die Nachlassverwalterin von Werner Dürrson hat mir freundlicherweise ein Gedicht geschickt, passend zur Jahreszeit und zum Wetter. 1000 Dank.



durchs fenster


wie ich das bild
beschreiben will
zaun wiese baum
trüber himmel
da schneit es

flocken
notiere ich flocken
auf wiese zaun busch
tanne kuhbadewanne

schneeweißer schnee

bald nur noch kanten
buchstäblich linien
striche

silben
gereimt oder nicht
auf schneeweißem blatt
ein gedicht


Link zu Dürrsons Website

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