Freitag, 26. November 2010

Poetologische Notiz

Viele Stunden lang haben wir in Konstanz poetologische Fragen diskutiert. Kein Wunder bei der Unterschiedlichkeit der anwesenden Autoren von Swantje Lichtenstein bis Hellmuth Opitz. Heute zitiert die Lyrikzeitung Felix Philipp Ingold, der wiederum Oskar Pastior zitiert:
"… er (Pastior) flüsterte mir zu: «Du weisst doch, dass ich Bedeutung hasse.»
Ich weiss, ich wusste auch damals, dass Pastior nach einer bedeutungsfreien Dichtersprache suchte, dass er keinen Bedeutungsraum hinter oder zwischen den Wörtern gelten lassen wollte. Gelten sollte das Wort als solches, als Klangleib – nichts besagend, bloss leichthin an die Sinne rührend …"
Angsichts der Entdeckungen über Pastiors Vergangenheit müsse nun sein Werk doch anders gelesen werden.
Link zum Eintrag in der Lyrikzeitung

Beim Schreiben eines Nachrufs auf Walter Helmut Fritz las ich heute noch einmal die genaue Gegenposition von Uwe Pörksen, die er auch heute bei der Trauerfeier in Heidelberg-Handschuhsheim wiederholte:
""Verschlüsselt ist nicht die Sprache, sondern die Wirklichkeit, auf die gedeutet wird. Sie ist das Rätsel."

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Verschlüsselt ist nicht die Sprache, sondern die Wirklichkeit, auf die gedeutet wird. Sie ist das Rätsel."

eigentlich eine feige, ja ignorante aussage. aber in diesem blog hier habe ich - ehrlich gesagt - nichts anderes erwartet. warum wird nicht ganz direkt gesagt, dass die leser zu blöd sind, "verschlüsselte sprache", in unserem fall also hermetische lyrik, zu verstehen? denn zuallererst sind die leser die wirklichkeit, "auf die gedeutet wird." nur würde man es sich als autor ein wenig zu leicht machen, diese als "rätsel" abzutun.

Matthias Kehle hat gesagt…

Schade, schon wieder ein anonymer Kommentar. Ich finde es feige, zumal die Position des Verfassers durchaus diskussionswürdig ist.