Mittwoch, 12. Januar 2011

Gedicht des Tages - Svenja Herrmann

Es ist einige Jahre her, als im Karlsruher Sandkorn-Theater ein Stück eines relativ wenig bekannten Autors meines Jahrgangs angekündigt wurde. Anläßlich der Premiere machte ich ein Interview mit dem jungen Mann; da er in Zürich lebte und auch heute noch lebt, per Email. Eines merkte ich gleich: Der Typ ist gewitzter als die meisten Interview-Partner, die ich bis dahin hatte. Es war Catalin Dorian Florescu, sein Verlag schickte mir kurz darauf eines seiner Bücher. Es blieb natürlich erstmal liegen, neue Bücher bekomme ich nahezu täglich auf den Schreibtisch. Als ich jedoch den Roman "Zaira" gesandt bekam und ich ihn nach einiger Zeit zu lesen begann, war ich platt: Ein großartiger, fesselnder Erzähler, ein Roman, den ich kaum weglegen konnte.
Wo ich Catalin zum ersten Mal traf, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls luden Walle Sayer und ich ihn zu den "2. Literaturtagen Nordschwarzwald", und ich schlug ihn vor für die Eröffnungsveranstaltung der Baden-Württembergischen Literaturtage in Konstanz. Wir mailen regelmäßig hin und her, haben uns ein klein wenig angefreundet. So wie das zwei vielbeschäftigte Autoren über die Distanz können (wobei Catalin im Augenblick 30 Kilometer von mir entfernt residiert, er hat das Baden-Badener Baldreit-Stipendium inne). Kurz vor Weihnachten kam Catalins neuer Roman "Jacob beschließt zu lieben". Der Titel erinnerte mich zunächst an Paolho Coelhos unsägliches Buch "Veronika beschließt zu sterben" (Verriss des Buches). Kurz nach Weihnachten hatte ich es fertig gelesen. Ich habe Catalin versprochen, mich nicht vor Ende Januar zu diesem Buch zu äußern, also komme ich endlich zum Wesentlichen. Catalin schickte mir vor einigen Tagen den Gedichtband seiner Freundin Svenja Herrmann, eine Lyrikerin, ebenfalls aus Zürich. Ich kannte ihre Gedichte schon von Fixpoetry (hier klicken!). Weshalb ich die ganze Geschichte mit Catalin erzähle, liegt vor allem daran, dass ich das Gedicht, das sie ihm widmete, besonders zart und anrührend finde. Danke, liebe Svenja Herrmann!


Mit Fingerspitzen berühren Wolken Firste
um das Vordach zirkelt eine Regennaht
ich trinke – die siebte oder achte Tasse

Der Blitz schlägt in die Kanne ein und
wir berechnen die Entfernung zum Gewitter

In den Sekunden vor dem Wolkenbruch
blüht der Jasmintee


für Catalin


Aus dem Band:
Svenja Herrmann, Ausschwärmen, Gedichte, Wolfbach Verlag, Zürich 2010.
Website Svenja Herrmann

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