Mittwoch, 26. Januar 2011

Grab mit schönem Blick aufs Meer - Zum Tod von Peter Paul Zahl

Es tritt die Generation unserer Väter ab, nun ist auch Peter Paul Zahl gestorben, wie ich heute morgen meinem Provinzblättle entnommen hat, das damit schneller war als die meisten Online-Nachrichtenquellen zum Thema Literatur. PPZ hat auch Lyrik veröffentlicht und ist im Großen Conrady vertreten.
Wie so oft in der letzten Zeit findet sich der (bislang) beste Nachruf in der TAZ
hier klicken!
Die Seite anarchie.de schreibt über eine "Tournee" von PPZ hier!
Auch der Wikipedia-Eintrag ist außerordentlich informativ und umfangreich.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Der Nachruf in der taz ist schlecht. Weil voller Polit-Klischees.Und abermals unterschlägt "die linke" daß auch einer wie PP nicht nur politisch agitiert, sondern auch aus dem Bauch und dem Herz heraus.Da schrieb einer den Nachruf der nichts von PP weiss und ihn mal in Jamaica besuchen durfte.
Man tut ihm abermals Unrecht.

PP war sozusagen mein Nachbar. Uns trennte nur ein wenig Wasser. Aber der gleiche karibische Himmel, die gleichen Wirbelstürme, die gleichen Fischgerichte.
Unvergessen: Der Tag vor etwa 25 Jahren, an dem er mir empört die Briefe Horst Mahlers zeigte. PP wollte von Werl in den Normalvollzug verlegt werde und Mahler saß im Normalvollzug. Also fragte PP wie er es geschafft habe, er wolle es auch anstreben.
Mahlers Antwort: "Ein echter Indianer kennt keinen Schmerz", was heißt: du hast dir die Situation ausgesucht, nun durchstehe sie wie ein Revolutionär und weine nicht.
Dann kam sein Traum von Grenada. Das wurde ja dann nichts.
Aber da schon legte er den Widerspruch in sich ans Tageslicht: "Ein echter Revolutionär bleibt Zuhause und verändert".
Zahl war nie ein Revolutionär. Man versuchte ihn dazu zu stilisieren. Aber im Leben war er Bodenständig. Ebenso war er niemals Anarcho. Man tut ihm Unrecht, wenn man das behauptet. PP hat sich immer für geordnete Verhältnisse engagiert, allerdings nicht für betonierte Ordnung. Auch ein „Altanarcho“ hätte nie die Rolle eines „Friedensrichters“ in Jamaika angenommen.

Er wollte nicht, wie im Nachruf suggeriert wird, nach Jamaika wegen der politischen Verhältnisse in D. und aus Furcht die Bewährungszeit von 5 Jahren nicht zu überstehen. Den Wunsch, abzuhauen, hatte er bereits im Knast, lange bevor er Freigänger wurde. Er war angesteckt von der Rimbaud-Exotik und der ungezügelten Lust nach Leben wie einst sein Vorbild Villon. Auch wenn er nie dessen Popularität erreicht hatte und erreichen konnte. Zahl verglich sich gerne mit den literarischen Giganten. Das machte ihn manchmal etwas – nun ja, banal.So als spüre er, dass ihm doch etwas fehle.
Er hat sich auch nie als Auswanderer gesehen, sondern, großspurig wie es seine Art war, als "Exilant", so als habe ihn die Politik der damaligen BRD vertrieben.
Und, ach, wer jemals in die Karibik ausgewandert ist, der kann nie wieder in Deutschland leben. Das hat nicht das geringste mit der Politik zu tun, das hat etwas mit der sturen militärischen Disziplin der Deutschen zu tun. Deutsche gelten im karibischen Raum als „Roboter“.
Wer lebt schon gerne unter „Roboter“ wenn er gleich nebenan die Tüte, den Reggae, die Frauen und die tägliche Portion Sonne bekommen kann?

Im Nachhinein hatte PP für alles politische Rechtfertigungen gefunden. Das musste er auch. Denn die linke Szene untersagte ihm sozusagen ein Privatleben. Was von Zahl kam musste, auf Teufel kommt raus (Entschuldige Fritz!) politisch motiviert sein. Privatleben hatte einer wie er nicht zu haben! Wie sich überhaupt die ganze „linke“ damit schwer tat.
Anderseits wurde Zahl vom Staatsschutz bespitzelt bis zum geht-nicht-mehr. Auch in der Knastzeit noch. Da gibt man nicht viel von seinem Innenleben preis. Also hielt er sich bedeckt, unser Autor von den quälenden Buchstaben. Was er schrieb war mitunter fast genial ("Das sollten die Völker unters sich ausmachen") und oft von langweiliger Trockenheit. Durch "Die Glücklichen" quälte man sich aus Solidarität durch, aber weniger aus Begeisterung.
Den Bremer Preis bekam er auch nicht der Literatur wegen, sondern, wie mir einer der Juroren später mitteilte, aus politischen Gründen.
Seis drum, er war ein toller Zeitgenosse.
Machst gut im Himmel PP, auch wenn,s dort langweilig sein wird. Alles zu brav. Aber wer weiss, vielleicht kommen ja eines Tages deine vielen Frauen zu dir, die dich mit Kindern beschenkt haben. Ich komme dann dazu. Dann hören wir gemeinsam den Reggae. Und schwärmen von unserer Jugend. Und der Rosi. Sie wird weinen. Freiheit & Glück