Samstag, 16. April 2011

Gedicht des Tages - Werner Dürrson

Die gestern eröffnete Ausstellung über Werk und Leben von Werner Dürrson im Kapuzinerkloster in Riedlingen ist allererste Sahne. Sie ist vorbildlich in Sachen Besucherführung und Gestaltung, das Design ist makellos, modern und zeitlos zugleich, die Exponate sind exemplarisch und zum Teil sehr anrührend, so etwa die allerletzte Notiz Werner Dürrsons vor seinem Tod. Wie man eine exzellente Literaturausstellung gestaltet - das führen Volker Demuth und seine Mitstreiter hier vor. Ich weiß wovon ich rede, ich habe lange genug wissenschaftlich Ausstellungen evaluiert (u.a. beim Haus der Geschichte in Bonn) und einschlägige Aufsätze zur Besucherforschung publiziert, auch wenn das schon wieder viele Jahre her ist. Bei meiner kleinen Würdigung Werner Dürrsons sagte ich gestern, dass ich auch seinen Witz schätze, der in vielen seiner Gedichten durchblitzt. Seine ganze Souveränität kommt in einem meiner Lieblingsgedichte von Dürrson zur Geltung:



autobrautlied


bald ras ich am neckar
bald ras ich am rhein
bald fisch ich ein mädchen
bald bin ich allein

bald ras ich am kocher
bald ras ich am main
erst lieb ich das mädchen
dann werf ichs hinein



Morgen, am 17. April, ist der dritte Todestag von Werner Dürrson. Bei aller Fixierung auf junge Gegenwartslyrik sollten wir unsere toten Dichter nicht vergessen. Nur so können sich Traditionslinien weiterentwickeln, nur so kann wirklich neue Lyrik entstehen. Eigentlich sollte sich jeder lebende Lyriker um einen toten "kümmern", so wie sich Volker Demuth um Dürrsons Erbe bemüht. Unsere Literaturlandschaft wäre noch viel reicher, wir könnten vieles dem Vergessen entreißen.

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