Donnerstag, 5. April 2012

Günter Grass "Gedicht"

Es ist einer der schlechtesten Texte, die ich je gelesen habe, das viel zitierte und reflexhaft kritisierte "Gedicht" von Günter Grass. Viele Schnellschüsse habe ich gestern Abend im Netz gelesen, fast war ich geneigt, von Amts als VS-Landesvorsitzender "Stellung" zu nehmen. Ich habe es mir verkniffen. Mehr Zeit zum Nachdenken hat sich Andreas Heidtmann, Betreiber des Poetenladen, genommen. Er hat heute Morgen eine kluge Analyse des Textes publiziert.
Nachzulesen hier

Frohe Ostern und kein Missbrauch von Lyrik zu politischen Zwecken!

Kommentare:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

1) Der kämpfende Pazifist, der sich der Größe seiner Aufgabe bewusst ist, wird keinen Unterschied machen zwischen Bürger- und Völkerkrieg, zwischen äußeren und inneren Feinden. Für ihn gibt es nur einen Krieg, nur einen Frieden. Mit gleicher Macht erstrebt er den Frieden nach innen wie nach außen.

2) Der Pazifist, der tiefer in die Beweggründe der Kriege schaut, geht noch einen Schritt weiter in der Beurteilung des Bürger- und Völkerfriedens und sagt, der Kriegsgeist, der Geist der Gewalt, ist ein Kind des chronischen bürgerlichen Kriegszustandes, der die Eingeweide aller Kulturvölker zerreißt. Wer diesen Geist bekämpfen will, muss ihn in erster Linie als Bürger im eigenen Lande bekämpfen. Der Weg zum Völkerfrieden geht über den Weg des Bürgerfriedens und nicht umgekehrt.

3) Das, was die Völker und Volksklassen in Waffen gegeneinander treibt und immer getrieben hat, sind Dinge wirtschaftlicher Natur, die Notzustände schaffen oder vorherrschen lassen, und für diese Zustände gilt das Gesetz: NOT KENNT KEIN GEBOT. Die Not bricht nicht nur Eisen, sondern auch Verfassungen, Verträge und Bündnisse und setzt sich über alle moralischen, ethischen und religiösen Hemmungen hinweg. Nichts ist schließlich der Not heilig als der Kampf gegen ihre Ursachen.

4) Auf die Beseitigung solcher Notzustände hat also der ernsthafte Friedenskämpfer sein Augenmerk zu richten, unbeschadet seiner etwaigen Überzeugung, dass der Frieden oder wenigstens der Friedenswunsch mit moralischen, religiösen und ethischen Mitteln auch noch gefordert werden könne.

5) Der Notzustand, der zu den Kriegen treibt, hat wenigstens bei den heutigen Industrie- und Handelsvölkern seinen Grund nicht in einem naturgegebenen Mangel an Industrie- und Nährstoffen, sondern in unseren gesellschaftlichen Einrichtungen, die die Produktion und den Austausch beherrschen und die Arbeit tributpflichtig machen, wobei der Umstand noch erschwerend wirkt, dass zur Sicherung dieses Tributes der Produktion und dem Tausch Hemmungen bereitet werden müssen, die zu Krisen und Arbeitslosigkeit führen. Die gesellschaftlichen Einrichtungen, um die es sich da handelt, sind das Privateigentum an Grund und Boden und das herkömmliche, aus dem Altertum in unveränderter Gestalt von uns übernommene Geldwesen, dessen Mängel immer offensichtlicher geworden sind. Grund- und Geldbesitzer fordern Zins, sonst sperren sie der Produktion den Boden und dem Austausch der Produkte das Geld. Dieser Zins überträgt sich automatisch auf das gesamte Wirtschaftsleben und schafft das, was als Kapitalismus bezeichnet wird.

Silvio Gesell (Stabilisierung des Bürger- und Völkerfriedens, 1928)

Ein geistiger Tiefflieger wie Günter Grass wird das wohl bis zum Jüngsten Tag nicht mehr begreifen.

http://www.deweles.de/intro.html

Anonym hat gesagt…

Auch Dir und den w/m Lesern hier Besinnliche Feiertage!

Karfreitag in Gelsenkirchen
(Fundgedicht: Stadtspiegel Gelsenkirchen-Buer, 04. April 2012)

Terminkalender,
FR 6.4. (Karfreitag)

ab 11 Uhr: Traditionelles Ostereierschießen
und Tag der offenen Tür bei der Gel-
senkirchener Schützengilde
im Vereinsheim, Bochumer
Straße 190.

Statt auf den Laufenden Keiler
wird heute auf den Hängenden
Jesus geschossen.

Bitte Ohrstöpsel mitbringen,
es ist ein "Stiller Feiertag"

Für Dioxin-Eier ist reichlich gesorgt.
1. Preis: 100
2. Preis: 250
3. Preis: 500



(Jürgen Völkert-Marten)

Freude Dichter hat gesagt…

Warum schweige ich, verschweige?

Wer dort redet, verschweigt vieles. Wer spricht, widerspricht. Sich und den Toten. Übt sich an Spielen der Macht. Wenn das Frieden wäre, wären meine Gedichte Krieg. Wären seine Worte Terror. Warum ich seinen Namen nicht nenne? Warum ich seinen Namen nicht anders schreiben kann? Sind alles Maulhelden. Während ich rufe Eskapismus, wird politische Dichtung okkupiert. Dicht bei dicht. Mit Fackel und mit Fahnen. Neue Götterdämmerungen. Die Geister die man rief, die wird man nicht mehr los. Nobelpreis fragt ihr? Alles Dynamit, alles Sprengstoff, alles Explosionen sag ich. Dies ist ein Gedicht. Sonst Nichts!

© Manfred H. Freude