Samstag, 2. Juni 2012

Karlsruher Literaturhaus in Gefahr?

Heute war folgender Leserbrief von Hedi Schulitz in den "Badischen Neuesten Nachrichten": Fest steht: das schöne PrinzMaxPalais platzt aus den Nähten. Was durchaus einleuchtet, wenn man sich überlegt, was alles darin untergebracht ist: allen voran das Stadtmuseum als Hauptnutzer sozusagen und die Literarische Gesellschaft mit dem Scheffelbund, dem Museum für Literatur am Oberrhein sowie der Kinder- und Jugendbibliothek. Schon vor Monaten hieß es: Entweder, oder! Entweder das Stadtmuseum oder die Literarische Gesellschaft. Es war aber von Anfang an vorausgesetzt worden, dass man eine einvernehmliche Entscheidung finden wollte. Mit anderen Worten: Weder in dem einen noch in dem anderen Fall sollte jemand vor die Tür gesetzt werden, ohne dass eine entsprechende Alternative gefunden worden wäre. Inzwischen aber scheint es bereits ein offenes Geheimnis zu sein – die BNN berichtete kurz vor Pfingsten davon - den Zuschlag hat das Stadtmuseum bekommen. Die Literarische Gesellschaft wird das PrinzMaxPalais voraussichtlich 2014/2015 verlassen müssen. Auf der letzten Mitgliederversammlung der Literarischen Gesellschaft ist dies mitgeteilt worden. Es war allen klar, dass in dieser Angelegenheit eine Lösung gefunden werden musste. Aber wieso auf diese Art und Weise? Wieso über die Köpfe der Beteiligten hinweg? Dass diese Besprechungen nicht einfach sein würden, war abzusehen, aber sie zu umgehen, indem die Entscheidung vorab gegeben wird, hat m.E. sehr viel mit einem Vertrauensbruch zu tun, der einfach schade ist und bedauerlich, weil er die bisher gute Zusammenarbeit zwischen dem Kulturamt der Stadt und der Literarischen Gesellschaft in Frage stellt. Die Literarische Gesellschaft hat – so wie wir das auf der letzten Mitgliederversammlung hörten – stets signalisiert, dass sie nicht unbedingt an der jetzigen Örtlichkeit, dem PrinzMaxPalais, festhalten will. Man ist dort durchaus offen für andere Alternativen, so dass es umso befremdlicher ist, wenn sie dennoch- ganz offensichtlich - bei diesen Verhandlungen außen vor gehalten worden ist. Das ist die eine Sache, die hier einmal kritisch angemerkt werden sollte. Die andere ist die Entscheidung selbst, wobei man versuchen muss, beide Seiten im Blick zu behalten. Natürlich ist das PrinzMaxPalais eine außerordentlich schöne Adresse für das Stadtmuseum: zentral gelegen, in historischen Mauern, von denen es ja leider nicht mehr so viele in Khe gibt. Auf der anderen Seite aber ist dieses schöne Gebäude wie kein anderes geeignet für ein Literaturhaus. Matthias Kehle, der Vorsitzende des Schriftstellerverbandes (VS) in Baden-Württemberg, hatte es in der sich anschließenden Diskussion auf den Punkt gebracht: Andere Städte würden sich glücklich schätzen, ein solches Haus als Literaturhaus zur Verfügung zu haben. Karlsruhe scheint das nicht so zu sehen. Und gerade weil man in der letzten Zeit des öfteren zu hören bekam, dass sich Khe offenbar als Literaturstadt profilieren will, sollte man ein solches Argument nicht so einfach von der Hand weisen. Wenn man einmal die Literaturhäuser in anderen Städten Deutschlands miteinander vergleicht, so sind es ja meistens ehrwürdige alte Villen. So gesehen wäre das PrinzMaxPalais als Domizil für die Literatur ideal. Doch welche Alternativen gäbe es? De facto ist kaum eine zu erkennen. Trotzdem liegt es doch beinahe auf der Hand, dass es leichter sein müsste, für das Stadtmuseum eine Alternative zu finden als umgekehrt. Zumal man davon ausgehen kann, dass ein Stadtmuseum ständig am Wachsen ist und insofern über kurz oder lang erneut aus den Nähten platzen wird. Die Literarische Gesellschaft mit ihren drei wichtigen literarischen Säulen: dem Scheffelbund, der Kinderbibliothek und dem Museum für Literatur am Oberrhein, ist dieser Gefahr weniger ausgesetzt, weil sich die Exponate in erster Linie auf Bücher beziehen. Nun sollte man nicht bloß meckern, finde ich, sondern auch Vorschläge machen. Deshalb frage ich, ob nicht vielleicht das Gebäude der ehemaligen Kinderklinik am Durlacher Tor eine Möglichkeit wäre? Es würde m.E. genug Raum bieten, egal wer von den beiden Parteien sich letztlich dort niederlassen würde. Zur Zeit ist dort meines Wissens ein Studentenwerk o.ä. untergebracht, was sicherlich auch an einem anderen Ort sein Domizil finden könnte. Da es sich um eines der wenig noch erhaltenen historischen Gebäude Karlsruhes handelt, ist es ohnehin schade, dass darin „nur“ ein Studentenwerk zuhause ist. Die Mauern hätten im wahrsten Sinne des Wortes eine geschichtsträchtigere Nutzung verdient. Vielleicht fällt anderen Lesern noch eine andere Örtlichkeit ein. Jedenfalls bitte ich den Gemeinderat und sämtliche zuständigen Stellen und Verantwortlichen, allen voran, den Kulturbürgermeister, Herrn Jäger und Frau Dr. Asche, die künftige Nutzung des PrinzMaxPalais‘ noch einmal zu überdenken.

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