Mittwoch, 19. September 2012

"Ein Meister des Weglassens" - Buchpremiere Scherbenballett

Heute in den "Badischen Neuesten Nachrichten". Danke an Torben Halama für die Überlassung der Besprechun!

„Der Meister des Weglassens“
Der Karlsruher Schriftsteller Matthias Kehle stellt seinen neuen Lyrikband „Scherbenballet“ vor

In der Ettlinger Scheune sitzt Matthias Kehle am runden Bistrotisch. Drei Bücher liegen vor ihm, oben auf sein neuestes: „Scherbenballet“. Neben ihm spielt Volker Schäfer auf seiner Gitarre. In der ersten Reihe sitzt Harald Hurst, auch Krimi-Autorin Eva Klingler ist da. Sie lauschen einem Freund, der zugleich einer der wichtigsten deutschen Gegenwartslyriker ist.

79 Gedichte fasst diese Arbeit, eine Auswahl aus über 150 Werken der letzten fünf Jahre. Auf die Frage, welche Gedichte es nach welchen Kriterien in den Band geschafft haben, antwortete der Karlsruher Lyriker knapp und präzise: „Die guten sind drin, die schlechten nicht.“ Mit einfacher aber nie simpler Sprache skizziert er höchst scharf Bilder aus Natur und Alltag, Innen- und Außenleben. Er malt nicht, er zeichnet. Jedes Pixel der beschriebenen Bilder liegt in den wenigen Worten, die Kehle verwendet. Quirlige Straßenszenen wie in „Berufsverkehr“ oder beinahe romantische Natursequenzen erschafft er mit einem Minimum an Vokabeln.
Auch Berg- und Wandergedichte hat der Autor des erfolgreichen Sachbuchs „Die Wanderbibel“ verfasst. Kehle spricht selbst von der „Restnatur“, die er beschreibt. Etwa von Bergen „mit Psalmgarantie im Gipfelbuch“. Die Genres wechseln: Portrait-, Liebes- und Naturgedichte sind genauso enthalten wie rätselhafte Texte in der Tradition Paul Celans oder Poetologisches, wie das Reflektieren über den eigenen Schreibvorgang. Der Lyriker sagt sich selbst von jeglicher Emotionalität los und erklärt das Schreiben als nüchterne Arbeit mit der Sprache. Diese Arbeit, das eigentliche Manuskript auf den einen finalen Rohdiamanten zu reduzieren, ist seine Kunst. Oder wie Harald Hurst an diesem Abend viel treffender sagte: „Er ist eben ein Meister des Weglassens!“

Torben Halama

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