Dienstag, 25. September 2012

Gefüllte Leerstellen - Rezension von Harald Schwiers zu Scherbenballett

aus dem Karlsruher Kurier, 14. September. Mit Dank an Harald Schwiers!



Gefüllte Leerstellen
Weniger wäre mehr gewesen - dieser Spruch lässt sich auf alle Gebiete des täglichen Lebens anwenden. Vom Salz in der Suppe über die Malerei, Theater usw. und bezieht natürlich die Literatur mit ein. Die Kunst des Weglassens, der richtig gesetzten Leerstellen, ist eine hohe Kunst. Beispiele geben die asiatische Tusche- und Aquarellmalerei, einige „alte Grötzinger“ wie Gustav Kampmann oder aktuell Emil Wachter und die Gedichte von Walter Helmut Fritz.
Der Karlsruher Dichter Matthias Kehle gehört mit in diese Reihe. Das verdeutlicht der gerade erschienene Gedichtband „Scherbenballett“. Er umreißt mit wenigen Worten ganze Szenarien, oft sind es kleine Kammerspiele mit sehr unterschiedlichen Charakteristiken. Manche sind eher nach innen gewandt, beleuchten Persönliches, Vergangenes, bleiben verhalten im Stillen; andere hingegen schildern alltägliche Situationen oder auch Spielchen, durchaus humorig oder auch schräg-komisch, wenn auch nie „laut“. Wo nichts steht, passiert bei Kehle oft viel, ist pralles Leben, keine Leere. Ein Beispiel: „Die milden Tage/kommen über Nacht./Durch geschlossene Türen/vagabundiert die Lust./Ihre Habseligkeiten/verstreut sie/auf belebten Plätzen.“
Kehle ist ein ausgesucht feinsinniger Beobachter, der sich selbst ebenso betrachtet und bewertet wie seine Mitmenschen. Dabei denunziert er seine Objekte nicht, bleibt dem Menschsein mit allen Schattierungen liebevoll verbunden.
Gleichzeitig erschienen ist ein kleiner Gedichtband als zweisprachige Deutsch-Französische Ausgabe: „Fundus - Magasin“. Rüdiger Fischer hat die schwere Übersetzer-Aufgabe souverän und mit großer Bravour bewältigt. Hut ab. Matthias Kehle liest aus „Scherbenballett“ am Montag, 17. September in der „Scheune“ in Ettlingen (Pforzheimer Straße 31, 20 Uhr).
Matthias Kehle, Scherbenballett, Klöpfer & Meyer, 124 S.,16 Euro
Fundus - Magasin, 64 S., Silver Horse Edition 12,80 Euro.

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