Freitag, 21. September 2012

Kommunales Protzen - Kommunale Ignoranz - Eröffnung der Baden-Württembergischen Literaturtage

Polemische und wütende Anmerkungen mit einem versöhnlichen Schluss

Gestern Abend war die Eröffnungsveranstaltung der "Baden-Württembergischen Literaturtage" im Karlsruher Staatstheater. Der Landesvorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) nahm daran nur zu Beginn teil. Bei den Eröffnungsreden wurden sämtliche kommunale Größen, die ansonsten herzlich wenig mit Literatur zu tun haben, begrüßt und mit keinem Wort die Schriftsteller des Landes oder der Stadt - außer durch dreimaliges Namedropping "Martin Walser". Der in Karlsruhe ansässige VS-Vorsitzende und einziges Mitglied der Stadt im PEN hielt seine Anwesenheit für entbehrlich und verließ die Veranstaltung. Die Baden-Württembergischen Literaturtage wurden 1981 von einem Schriftsteller initiiert, einem namhaften Mitglied im VS, und zwar Egbert-Hans Müller, damals zuständiger Referent im Ministerium für Wissenschaft und Kunst.
Es geht nicht darum, ob ich einmal mehr meinen Namen höre, sondern darum, welche Akzente kulturpolitisch gesetzt wurden und um Anstand: Es hielt auch niemand für nötig, die hoch verdiente Veramaria Wieland zu begrüßen, Scheffels Nachfahrin und Ehrenvorsitzende der Literarischen Gesellschaft. Sie hat die Karlsruher Literatur jahrzehntelang mitgeprägt.
Gleich wenn man ins Staatstheater reinkam, stolperte man über den wohl wichtigsten Mann im Karlsruher Literaturbetrieb, schließlich arbeitet er als Dozent am HFG im Flaggschiff ZKM. Er hatte dort mit seinen Studenten einen Stand mit einem Automaten, der gegen einen Euro Büchlein ausspuckte. Krass macht in der HFG Lesungen mit durchgereichten Jungautoren unter Ausschluss der Öffentlichkeit, hat ein Literaturverständnis, das in den 60er-Jahren stehen geblieben ist und schreibt schlechte Gedichte.
Die Veranstaltung fand deshalb im Staatstheater statt, weil dieses ebenfalls ein Karlsruher Flaggschiff  und von der Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche hofiert wird. Hier wird die stille Literatur gegen die "Flaggschiffe" ausgespielt. Und wieviele Karlsruher habe ich schon unter vier Augen gesprochen, die sagten, das ZKM sei überbewertet! Und als Schüler des Besucherforschers Hans Joachim Klein verrate ich Euch noch was: Deren Besucherzahlen sind geschönt. Auch darüber wird mit vorgehaltener Hand gesprochen. Der Kaiser ist nackt!
  Weiter mit meinem wütenden Rundumschlag: Dafür will Frau Dr. Asche, dass die Literarische Gesellschaft das Prinz-Max-Palais verläßt, weil sie darin ein Stadtmuseum haben will. Es liegen seit Jahren klügere Vorschläge in der Schublade. Ich habe nie und nirgends eine beratungsresistentere Kulturamtsleiterin erlebt, und ich habe viele erlebt. Was viele, viele in Karlsruhe denken und niemand sagt: Frau Dr. Asche ist unfähig und gehört weg. 
 Die Eröffnungsveranstaltung hat den finanziellen Rahmen gesprengt, weil unbedingt Wolfgang Dauner schrammeln und Schorlau lesen musste. Das war nicht die Idee der Literarischen Gesellschaft. Frau Dr. Asche hat das großzügig gesponsert. Peanuts. Das Geld fehlt nun wohl an anderer Stelle in Sachen Literatur. Dass sie bald schreien wird, auch der Kehle habe schon Geld bekommen, hört dieser jetzt schon. Und dass dieser für keines seiner Projekte künftig mehr Geld bekommen werde, ist ihm auch klar. 
Ganz verschämt haben zwei Karlsruher Jungautoren lesen dürfen. Weshalb hat man den Damen und Herren Politikern keine Lesung mit Joachim Zelter gegönnt und zugemutet? Oder mit Arnold Stadler? Man darf ja nicht erwarten, dass die Damen und Herren zu deren Lesung im Literaturhaus kommen.
So, und nun freuen wir uns auf ein wirklich tolles und sensationelles Programm der Literaturtage, das wir im Wesentlichen Hansgeorg Schmidt-Bergmann und seinen Mitarbeitern zu verdanken haben. Es ist im Vergleich zu vielen anderen Literaturtagen hochkarätig und individuell zugleich. Möge die Literatur künftig in dieser Stadt die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient und die diese im Land der Dichter und Denker schon hat.
Ich für meinen Teil ganz persönlich nenne meine Geburtsstadt schon lange nicht mehr Heimatstadt. Wie sehr hat sie an Wohnqualität in den letzten 20 Jahren verloren. Meine Heimatstadt ist Ettlingen. Und ich wünsche mir immer öfter, Karlsruhe verlassen zu können. 

Kommentare:

Florian Voß hat gesagt…

Es ist doch ganz einfach und immer das Selbe: Dichter sind nur etwas wert, wenn sie etwas wert sind, und wenn man, ob ihrer merkantilen Bekanntheit, mit ihnen renommieren kann.
Bist du aber ein Dichter, der sich nicht verkauft, bist du nicht den Dreck der Gosse wert, in die du hinein gestoßen wurdest.

Zudem, und du sagst es ja schon, handelt es sich um Karlsruhe, also eben um Provinz. Was will man da anderes erwarten.

sigmundo hat gesagt…

...was hindert dich daran? ;)
ich fands cool! bin aber auch nicht wegen der asche und konsorten hin, sondern wegen dem dauner...
lg°sig

Matthias Kehle hat gesagt…

@Sigmundo: ... Die Immobilienpreise in Ettlingen

Anonym hat gesagt…

Und tschüss!

Muss ich nach so einem unqualifizierten und ahnungslosen Rundumschlag sagen.

Matthias Kehle hat gesagt…

Hätte schon gerne gewusst, wer mir da Tschüss sagt. Ein Feigling aus Höhenkirchen, der über D2 Vodafone eingeloggt war, IP 77.24.78.***